Stolpersteine

Stolper-Steine sind kleine goldene Gedenk-Tafeln.
Sie erinnern an verstorbene Menschen.
Die Menschen wurden getötet.
Das ist lange her.
Auf den Stolper-Steinen stehen die Namen von den Menschen.
Auf den Stolper-Steinen steht das Geburts-Datum.
Und wann sie getötet wurden.
Die Stolper-Steine sind auf dem Geh-Weg.
Sie liegen neben den Geh-Weg-Platten.
So kann jeder die Stolper-Steine gut sehen.

In Süchteln gibt es auch Stolper-Steine.
Zum Beispiel:
Auf der Hochstrasse 39.
Da war früher mal ein Geschäft.
Und eine Foto-Ausstellung.
Das Geschäft war von der Familie Lifges.
Auf der Hochstrasse 39 liegen 3 Stolper-Steine.
Für die Personen sind die Stolper-Steine:

  • Jakob Lifges.
    Jakob ist am 19. Februar 18 Hundert 69 geboren.
    Das ist über 150 Jahre her.
Stolperstein in Gedenken an Jakob Lifges
Stolperstein in Gedenken an Jakob Lifges
  • Seine Ehefrau Sofia Lifges.
    Sofia ist am 20. April 18 Hundert 79 geboren.
    Das ist über 140 Jahre her.
Stolperstein in Gedenken an Sofia Lifges
Stolperstein in Gedenken an Sofia Lifges
  • und seine Schwester Sara Lifges. Sara ist im Jahr 18 Hundert 63 geboren.
    Das ist über 150 Jahre her.
Stolperstein in Gedenken an Sara Lifges
Stolperstein in Gedenken an Sara Lifges

Die Geschichte von Familie Lifges

Auf der Hochstrasse 39 war mal ein Stoff-Geschäft.
Und eine Foto-Ausstellung.
Das wurde von Nathan Lifges gegründet.
Das gab es bis 19 Hundert 42.

Nathan Lifges war Kauf-Mann.
Und sehr bekannt in Süchteln.
Nathan Lifges ist im Dezember 19 Hundert 2 gestorben.
Danach hat sein Sohn Jakob Lifges das Geschäft übernommen.

Stoffwaren

Die Familie Lifges waren Juden.
Die Familie Lifges war in Süchteln zu Hause.
Die Mitglieder der Familie fühlten sich dort wohl.
Jakob Lifges spendete ein Mal ganz viel Geld.
Das Geld war für Kriegs-Hinterbliebene.
Ein Mann aus der Familie Lifges wurde sogar geehrt.
 
Er wurde
Er wurde im Ersten-Welt-Krieg geehrt.
Erich Lifges bekam 19 Hundert 17 das Eiserne Kreuz.
Das ist das Kreuz auf dem Bild.
Da war Erich Lifges bereits tot.

Das Eiserne Kreuz, eine Kriegs-Auszeichnung
Das Eiserne Kreuz, eine Kriegs-Auszeichnung

Veränderungen in ganz Deutschland

19 Hundert 33 änderte sich die Politik in Deutschland.
Die National-Sozialisten haben die Regierung übernommen.
Es gab keine Demokratie mehr.
Sondern eine Diktatur.
Das bedeutet:
Das Volk darf nicht mehr mitbestimmen.
Adolf Hitler bestimmt alles alleine.
Die Partei von Adolf Hitler hieß:
N S D A P

Die Veränderung merkten auch die Menschen in Süchteln.
Viele Menschen haben gemerkt:
Wir sind hier nicht mehr will-kommen.

Erst waren die meisten Menschen im Ort gegen die National-Sozialisten:

– Die National-Sozialisten hatten Gruppen in den Orten.
  Die National-Sozialisten in Dülken haben keinen Saal bekommen.
  Um sich mit ihrer Partei zu treffen.

– Im Jahr 19 Hundert 32 hatte die Orts-Gruppe Süchteln kein Geld.

– In Kempen bekamen nur 20 Menschen die Zeitung Volks-Parole.

– In Hinsbeck hat die Kirche anderen Partei-Mitgliedern gedroht:
  Wir schließen euch aus der Gemeinde aus.

Dann sind viele Dinge passiert:

Die National-Sozialisten waren sehr gewalt-tätig.
Sie versuchten stärker zu sein als die anderen Parteien.
Es gab Schlägereien.
Und Schießereien.
Dabei gab es viele verletzte Menschen.
Es sind auch Menschen gestorben.

Langsam bekamen die National-Sozialisten mehr Unterstützer:

Die Veränderung zeigte sich auch bei den Wahl-Ergebnissen.
Die Partei von den National-Sozialisten hieß:
N S D A P
Die Partei wurde immer stärker.
Immer mehr Menschen haben die N S D A P gewählt.
Im Jahr 19 Hundert 30 waren es fast 8 Prozent.
Das sind 8 von 100 Menschen.
Ein Jahr später waren es schon mehr als doppelt so viele.
Im Jahr 19 Hundert 33 waren es mehr als 30 von 100 Menschen.

19 Hundert 38 stellte die Partei fest:
In Süchteln haben wir auf der Straße gewonnen.
Die Straße gehört den braunen Bataillonen.
Das sind die Schläger-Gruppen der N S D A P.

Die Familie Lifges hatte eine schwere Zeit.

19 Hundert 42 werden Jakob, Sofia und Sara Lifges in ihrem Haus verhaftet.
Das war mitten im Zweiten Welt-Krieg.

Sie wurden in ein Konzentrations-Lager deportiert.
Das bedeutet:
Sie wurden gegen ihren Willen dahin gebracht.

Das Konzentrations-Lager war in Theresien-Stadt.
Das liegt nicht mehr in Deutschland.
Heute heißt das Land Tschechien.

Im Jahr 19 Hundert 40 war in dem Gebäude ein Gefängnis.
Das war ein Gefängnis für die geheime Staats-Polizei.
Diese geheime Staats-Polizei wurde GE-STA-PO genannt.

Im Jahr 19 Hundert 41 kam in Theresien-Stadt noch etwas dazu:
– Ein Sammel-Lager.
– Und ein Zwischen-Lager.
Da wurden erstmal Juden aus Tschechien hingebracht.
Nach 19 Hundert 42 wurden auch andere Juden dahin gebracht.
Juden aus Deutschland und aus anderen Ländern in Europa.

Das Leiden der Familie Lifges hörte in Theresien-Stadt noch nicht auf.
Sie wurden in das Vernichtungs-Lager Treblinka gebracht.
Dort wurden Jakob, Sofia und Sara Lifges 19 Hundert 42 getötet.

Es gibt keine Grabsteine und keine Grabstätten für die Familie.
Sie wurden mit allen anderen Toten in ein Massen-Grab geworfen.
Es gibt nur die Stolper-Steine vor dem Haus.
So können sich Bekannte und Nachbarn an die Familie erinnern.