Joseph Dunkel

Schlendert man heute durch Stolberg bei Aachen, so stößt man beim Betrachten der Straßenschilder auf einen "Zwangsviersener": Joseph Dunkel stand im Dienste der katholischen Kirche, als er die christlichen Werte gegenüber den Nationalsozialisten vertrat - und dafür bezahlte.

Wirken in Stolberg

Joseph Dunkel kam am 6. Juli 1906 in Düren zur Welt. Der 1930 noch junge Katholik arbeitete in der damaligen Mühlener Pfarrgemeinde St. Mariä-Himmelfahrt. In seiner Arbeit mit Jugendgruppen legte er viel Wert darauf, junge Menschen zum kritischen Denken zu erziehen und die Lehren der Nazis nicht kommentarlos hinzunehmen. 1935 spitzte sich der Konflikt mit den NS-Machthabern zu: in der Karwoche startete er eine Predigtserie für die Mühlener Pfarrjugend, deren Themen “Löschet den Geist nicht aus” oder “Kirche in Fesseln, eine Grundlage” für großes Aufsehen sorgten. Seine Gottesdienste waren stets gut besucht, weshalb er schnell auch über die Stolberger Grenzen hinaus bekannt wurde. In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag verbrachte die katholische Jugendgruppe “Sturmschar” unter der Leitung von Dunkel die Nacht beetend und singend in der Mühlener Kirche. Das war nun für die Nazis zu viel: Dunkel wurde am 30.5.1935 zusammen mit Kaplan Thoren verhaftet und ins Polizeigefängnis Aachen überführt.

Versetzung nach Dülken

Durch Protest des Aachener Bischofs und des päpstlichen Nuntius beim Gestapoamt in Berlin kamen beide Priester frei, zunächst verbunden mit einem Aufenthalts- und Redeverbot für den Stadt- und Landkreis Aaachen. Am 12.6.1935 wurde Dunkel nach Dülken versetzt. Hier war er als Nachfolger von Kaplan Wilhelm Tonnet tätig.
Dunkel gab jedoch nicht auf. Wegen Befürwortung von Bekenntnisschulen und Jugendseelsorge erhielt er 1936 Unterrichtsverbot. Am 24.3.1939 denunzierte ihn der Schulungsleiter der HJ Ortsgruppe Dülken. Es kam zu weiteren Schritten der Gestapo Mönchengladbach: zahlreiche Jugendliche wurden zu Joseph Dunkel verhört, seine Wohnung auf der Klosterstraße in Dülken wurde durchsucht. Am 29.3.1939 um 1 Uhr nachts wurde er erneut verhaftet und am nächsten Morgen ins Untersuchungsgefängnis Mönchengladbach verbracht.

Haft und Erneute Versetzung

Am 29.9.1939 fand der Prozess vor dem Sondergericht Düsseldorf statt. Dunkel war angeklagt wegen “Weiterführung des katholischen Jugendverbandes”, “Gefährdung des öffentlichen Friedens durch heimtückische Fortführung eines katholischen Jugendverbandes” und “Verbreitung des verbotenen Weißbuches mit kritischen Äußerungen über den Staat”. Joseph Dunkel wurde zu sechs Monate Gefängnis unter Anrechnung der U-Haft verurteilt. Danach musste er die hiesige Region verlassen und erhielt einen Seelsorgeauftrag in Schmölln (Thüringen). Am 11.9.1944 musste er ein “Sicherungsgeld” von 3.000 Reichsmark zahlen, weil er verbotenerweise französische Kriegsgefangene betreut hatte. Nach dem Krieg wirkte er als Pfarrer in Mönchengladbach, Kreuzau (1946-1958), Krefeld-Uerdingen (1958-1969) und Dahlem-Berk (1969-1985). 1985 wurde Dunkel schließlich pensioniert. 1988 starb Dunkel in Monschau.

Die Stadt Stolberg gedenkt Joseph Dunkel heute mit einem gleichnamigen Platz im Bereich des Kulturzentrums.