Berta Nussbaum

Berta Nussbaum war das Gesicht des Viersener Hausfrauenvereins auf Veranstaltungen im gesamten Deutschen Reich. Vor dem Tod im Ghetto Theresienstadt konnte sie das nicht bewahren.

Berta Nussbaum, geborene Kronenberg

Berta Kronenberg wurde am 24.09.1868 als Tochter des Arztes Aron und Amalie Kronenberg in Leichlingen geboren. Über ihre Kindheit ist wenig bekannt. Sie heiratete in Elberfeld am 8.9.1897 den Lehrer und Kantor Israel Nussbaum, den sie bei einer Bezirkskonferenz kennengelernt hatte.

Die Eheleute Kronenberg, die Eltern von Berta Nussbaum.

Die Nussbaums hatten vier Kinder: Annie (4.02.1899), Ilse (11.3.1904), Rudolf (9.9.1902) und Otto (27.7.1901). Die Kinder wurden ab dem dritten Lebensjahr in die evangelische Verwahrschule geschickt, die nur einige Schritte von der elterlichen Wohnung entfernt lag. Dort genossen sie bei der Schultante “Fräulein Stoßberg” eine tolerante Erziehung.

Die Familie wohnte seit 1897 in Viersen zunächst zweimal zur Miete, ab 1906 dann in einem eigenen Haus.

Das Haus der Nussbaums in Viersen. Am Fenster im Erdgeschoss ist Berta Nussbaum zu sehen.

Berta Nussbaum war eine intelligente Frau. Als ihr Mann Israel ab 1909 wegen Neurasthenie und Schlaflosigkeit beurlaubt und zur Kur geschickt wurde, vertrat sie ihn für 3 Monate als Lehrerin in der jüdischen Schule.

Engagement in Vereinen

Berta Nussbaum war seit 1914 Mitglied des “Vaterländischen Liebesdienstes Viersen” und im selben Jahr Begründerin der Kriegsküche in der evangelischen Schule (heute: “Gewächshaus”). Hierfür erhielt sie das Verdienstkreuz.

Ab 1915 war sie Vertreterin der jüdischen Frauen im Vorstand des von “Frau Kommerzienrat Julie Kaiser” gegründeten Hausfrauenvereins. Der Hausfrauenverein spielte im sozialen Leben Viersens eine wichtige Rolle. Berta Nussbaum trat als Vertreterin der jüdischen Frauen in den Vorstand ein und wurde später zur Ehrenvorsitzenden ernannt.

Durch Schriften, Vorträge, Ausstellungen, Kurse und Feste wollte der Verein die Berufstüchtigkeit von Frauen fördern. Berta Nussbaum dichtete für die Feste des Vereins und trug die Verse auch vor. Im Rahmen des Hausfrauenvereins reiste Berta Nussbaum als “Puppentante” durch Deutschland. So besuchte sie zum Beispiel München, Tübingen, Stuttgart, Pforzheim, Bremen, Hamburg, Magdeburg und Nürnberg, um den Viersener Verein mit der Ausstellung der “Modepuppen” zu vertreten. Andere Themen zeigten die Ausstellungen “Einst und jetzt” oder “Die Frau”.

Der Hausfrauenverein organisierte auch in Viersen große Veranstaltungen. Bei “Der gedeckte Tisch” stellte Berta Nussbaum einen “Sedertisch” aus, wie er am 14. April am Vorabend als Auftakt des jüdischen Pessach-Festes zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten hergerichtet wird. 1933 fand in der Festhalle “Das Fest der alten Leute” statt, eine Art Weihnachtsfeier für ältere Menschen über 70 Jahre. Bedient wurden sie dabei unter anderen auch von Berta Nussbaum, die damals selber bereits 65 Jahre alt war.

Bera Nussbaum_Kopf

Nationalsozialismus, Deportierung und Tod

Auf Druck der Nazis musste sie 1933 alle Ämter niederlegen. 1936 besuchte Berta mit ihrem Mann für 5 Wochen die Familie ihrer Tochter Ilse in Palästina. Dort ist auch das Bild links entstanden, welches ihren Mann Israel mit zwei einheimischen Jungs zeigt. Trotz schlimmster Erfahrungen in der Reichspogromnacht und danach entschlossen sich Berta, Israel und Tochter Annie, in Viersen zu verbleiben. Dies bedeutete für alle drei den Tod.

Berta wurde am 24. oder 25.07.1942 ab Aachen-Düsseldorf mit dem Transport VII/2, Zug Da 71 (No. 781) ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 17.04.1943 starb. Ihr Name ist in der Häftlingsliste Theresienstadt verzeichnet.

Annie Nussbaum_Letzte Postkarte aus Theresienstadt_1

Die letzte Postkarte der Annie Nussbaum aus dem KZ Theresienstadt vom 16. Juni 1944.

Annie Nussbaum_Letzte Postkarte aus Theresienstadt_2

Sie dankt der früheren Hausgehilfin Hubertine Feldt für eine Paketsendung.

Weiterführende Inhalte

Das Schicksal des Israel Nussbaum

Als Israel Nussbaum 1938 nach der Zerstörung seiner Wohnung in Viersen wortwörtlich vor den Trümmern seiner Existenz stand, dachte er, das Schlimmste sei nun vorrüber. Tragischerweise sollte er sich damit irren.

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